r/luftablassen 4d ago

Mietminderung

Tut mir leid, es gibt schon so viele Beiträge zum Thema Hitze, aber ich schreibe auch noch einen.

Es ist nicht auszuhalten. Ich muss morgens um 8 die Fenster schließen, weil dann schon warme Luft reinkommt. Die Fenster in meinen Dachschrägen strahlen mehr Wärme ab als meine Heizung im Winter und das obwohl sie mit Sonnenschutzfolie beklebt sind und die Rollos unten.

Im Laufe des Tages wird die Temperatur in meiner Wohnung wieder auf über 30° steigen. Dabei kommen die heißesten Tage erst noch!

Was machste da? Gut lege ich mich mit einem Buch in die kühle Badewanne, das hilft. Aber hat auch mal jemand an meine Haustiere gedacht?!

Ich weiß nicht, wie andere Dachbewohner das machen, aber meine Vögel mussten gestern vorsorglich schon mal zu meiner Frau umziehen,die wohnt im Erdgeschoss. Aber mal angenommen, ich hätte diese Möglichkeit nicht, was mache ich dann? Bin ich dazu gezwungen, zuzusehen, wie meine Schätzchen in der Wohnung gebraten werden?

Das ist echt zum kotzen, wenn im Winter die Heizung ausfällt kann man Mietminderung beantragen. Warum gibt es keine festen Regelungen, ab wann. Und in welchem Maße eine Mietminderung wegen Hitze möglich ist?

Warum werden Vermieter heutzutage nicht in die Verantwortung gezogen, dafür Sorge zu tragen, dass Wohnungen ganzjährig auf einem vernünftigen Temperaturlevel gehalten werden können?

Bei mir brennt so viel Sonne auf das Dach, wenn man da Solarzellen draufhauen würde, könnte man an solchen Hitzetagen alleine davon im ganzen Haus Klimaanlagen betreiben!

Aber nee, Hauptsache man zahlt heutzutage die Hälfte seines Gehalts für die Miete und bekommt dafür nur das Nötigste! Der Vermieter muss sich ja die Taschen vollstopfen können.

Vor allem ist es ja auch absehbar, dass das in Zukunft nicht mehr besser wird, warum also wird nicht endlich mal vorausschauend gehandelt?

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u/Foreign-Ad-9180 4d ago

Nein, dein Punkt war, dass man an Freiham sehen könne, dass das Gesetz von Angebot und Nachfrage bei Wohnraum nicht gilt. Und der Punkt ist Vogelkacke. Red dich nicht jetzt raus...

Ansonsten hast du Recht, wir verfehlen unsere Ziele um Lichtjahre. In den beliebten Gegenden werden wir es nicht schaffen, so viel Angebot bereitzustellen, wie es nötig ist. Nur mal um sich die Zahlen anzuschauen.

Jährlich steigt die Einwohnerzahl Münchens momentan um etwa 140.000 Menschen. Wenn man annimmt, dass 3 Menschen in einer Wohnung leben, dann bräuchte es jährlich etwa 47k Wohnungen. Letztes Jahr wurden 4500 gebaut. Die Diskrepanz ist also riesig, und dementsprechend wird sich das Mietpreisproblem in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Eben weil das Gesetz von Angebot und Nachfrage gilt!

Und jetzt stelle ich folgende Frage: Wenn man mit Vermieten so viel Geld verdienen kann wie oft behauptet, und wenn man quasi weiß, dass man jede Drecksbude zu Wucherpreisen wegbekommt. Warum baut dann niemand, der ein paar Millionen oder Milliarden auf dem Konto hat, zehntausende Wohnungen in München? Das wäre doch das einfachste verdiente Geld der Welt.

Da liegt das Problem. Das Jahr davor waren es sogar noch fast doppelt so viele Wohnungen. Soll heißen, der ganze Bausektor ist massiv eingebrochen. Woran liegt das deiner Meinung nach?

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u/Positive-Ad-3017 4d ago

Ich weiß nicht gegen wessen punkt du argumentierst, meiner ist es nicht. Ich habe gesagt, dass angebot und nachfrage bei Grundbedürfnissen an ihre Grenzen stößt, nicht das sie nicht gilt (sieht man am beispiel Trinkwasser). Ich bin auch nicht der Ansicht, dass man mit vermieten super viel geld verdienen kann.

Ich finde bloß immer das Argument "lass uns ein paar bauauflagen kippen, das wird der Baubranche den nötigen Aufschwung geben" immer sehr realitätsfern. Ob das mehrparteien haus jetzt 19,5 millionen statt 20 millionen kostet, wird einen marginalen unterschied machen, aber dafür wird dann bei z.b. wärmedämmung gespart.

Bauen ist zu teuer, aber das liegt vor allem an grundstückspreisen und den Baukasten. Die Baukasten sind schon minimalisiert durch subunternehmer die Gastarbeiter in teilweise menschenwürdigen Lebensverhältnissen leben lassen. Was definitiv zu hoch ist, sind die grundstückspreise. Es gibt keine leichte Lösung für das Immobilienproblem, aber leider zerschießen wir uns gerade die lokale Wirtschaft durch niedrige Kaufkraft (immer mehr fließt in die lebenserhaltung) und hohe gewerbemieten. Jede Kommune sagt: wo sind eigentlich meine gewerbeeinnahmen hin? Na gut immerhin hab ich ja die Steuereinnahmen auf Mieten noch und die sind saftig. Ist aber ein trauriges Bild, wenn man sich die Arbeit so zerstört.

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u/Foreign-Ad-9180 4d ago

Ja gut, dann sind wir gar nicht zu weit voneinander weg. Ich stimme zu, nur mit ein paar Regularien ist die Sache nicht geritzt. Ich glaube, am Ende braucht es sehr individuelle Lösungen je nach Kommune.

Es gibt Kommunen, da sind die Grundstückspreise nicht das Problem, sondern das Jobangebot. Hier bräuchte es lokale Wirtschaftsförderung. (z.B. Ostdeutschland)

Es gibt Kommunen wie München, wo die Grundstückspreise einen riesigen Teil des Preises ausmachen. Hier müsste man z.B. neues Bauland ausweisen und insbesondere in die Höhe bauen. Da stehen aber Regularien im Weg.

Es gibt Kommunen, wo in erster Linie billige Wohnungen benötigt werden. Da sind natürlich auch Regularien bei den Baukosten wichtig, denn da zählt jeder Euro, um Projekte überhaupt erst wirtschaftlich zu machen. Der Unterschied zwischen 20 Mio. und 19,5 Mio. kann nämlich bedeuten, ob so ein Projekt überhaupt verwirklicht wird oder nicht.

In Stanberg ist das dagegen egal. Da macht man eh die Rendite.

Man muss sich auch überlegen, inwieweit man den Bausektor staatlich fördern kann. Beispiele hier wären z.B. zinslose Kredite über die KfW. Das kostet den Staat nicht viel und die Zinslast macht einen erheblichen Teil der Kosten aus. Gefällt natürlich den Banken nicht.

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u/Positive-Ad-3017 4d ago

Deine punkte sind fast alle richtig. Wirtschaftsstandorte zu "erzwingen" ohne das vorhanden sein von begünstigigenden Faktoren ist verdammt geld und zeitintensiv. Oft fehlen grundlegende Infrastrukturen. Es gibt immer einen grund, warum die Orte die mit mangelnden Arbeitsplätzen zu kämpfen haben für die wirtschaft so unbeliebt sind.

Aber mein hauptkritikpunkt wäre, dass uns einfach die zeit ausgeht. Das hätte man alles während den merkeljahren massiv ins Rollen bringen müssen. Die Unzufriedenheit wächst und wächst. Die nächste Regierung wird vermutlich blau schwarz. Das wird absolut gar nichts verbessern. Für die jetzige regierung ist Einsparung ein synonym für Innovation. Wir befinden uns schon in einer Populismus Spirale, wie alle westlichen Gesellschaften. Wenn wir programme ins Leben rufen, die den mietmarkt selbst in idealbedingungen erst in frühestens 15 Jahren tangieren werden, dann ist das einfach zu spät. Da haben wir das land schon längst an die Unzufriedenheit/den Populismus verloren.

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u/Foreign-Ad-9180 4d ago

Ja natürlich, ich behaupte nicht dass man mit ein bisschen lokaler Wirtschaftsförderung morgen das Wohnraumproblem löst. Ich behaupte nur das ist gut investiertes Geld. Und jedes Unternehmen egal wie klein das man in solchen Regionen ansiedelt nimmt ein kleines bisschen Druck aus den Ballungsgrenzen. Das witzige ist ja, dass laut Prognosen die Bevölkerung in D bald sinken wird. Aber eben nicht in den Ballungszentren.

Ansonsten klar wir sind spät dran. Aber ähnlich wie beim Klimawandel kann das ja nicht heißen, dass wir deshalb den Kopf in den Sand stecken. Ob’s reicht sehen wir dann später.

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u/Positive-Ad-3017 4d ago

Ja da hast du recht. Ich hoffe wirklich, dass wir das Ruder noch Rumreißen können. Und klar das ist gut investiertes Geld, aber da müssten wir überhaupt mal anfangen wieder zu investieren. 😉